Adolf Abel (1882-1968) wurde in Paris als Sohn des Architekten und späteren Offenburger Stadtbaurats Friedrich Abel (1852-1926) geboren. Nach Besuch des Gymnasiums begann er 1902 ein Studium der Architektur an der Technischen Hochschule Stuttgart und wechselte 1904 an die Akademie der Bildenden Künste in Dresden. Anschließend arbeitete er im Büro seines Vaters in Offenburg und von 1910 bis 1925 in Stuttgart, im Büro Eisenlohr und Pfennig, ab 1917 als Assistent von Paul Bonatz (1877-1956) an der TH Stuttgart und als Vorsitzender der Hochbauabteilung der Neckar-Baudirektion Stuttgart.
Auf Empfehlung von Fritz Schumacher (1869-1947) wechselte Abel 1925 als Stadtbaudirektor nach Köln und schuf für die Messe eine Reihe neuer Saal- und Ausstellungsbauten. Im Zuge der Planungen für den Ausbau Kölns zur Metropole am Rhein entstanden mit einem Stab an Mitarbeitern mehrere Großprojekte, darunter die neue Universität, das Stadion und die neue Köln-Mülheimer-Rheinbrücke.
1930 wurde Abel als Nachfolger von Theodor Fischer (1862-1938) auf den Lehrstuhl für Baukunst und Städtebau der Technischen Hochschule München berufen. Im Wettbewerb für ein neues Ausstellungsgebäude anstelle des abgebrannten Glaspalastes in München erhielt er 1932 den ersten Preis. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten entzog ihm jedoch Hitler das Projekt. Abel fiel in Ungnade und blieb für die nächsten 12 Jahre unbeachtet. In der Nachkriegszeit erhielt Abel wieder Aufträge, erarbeitete Gutachten zum Wiederaufbau Münchens, in denen er grundlegend neue Gedanken zur Entflechtung des Fußgänger- und Fahrverkehrs entwickelte, um Raum für den Menschen zu schaffen und zeichnete verantwortlich für die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank (2002 Abbruch für die Fünf Höfe) sowie das Haus der Herder’schen Buchhandlung am Promenadenplatz. Aus seiner Liebe zur Musik entstand 1955 zusammen mit Rolf Gutbrod (1910-1999) die Liederhalle in Stuttgart, eines der schönsten Konzerthäuser der 1950er-Jahre in Deutschland.
Adolf Abel war Mitglied des Aufbaurats des Landes Baden-Württemberg, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Deutschen Akademie für Städtebau. 1949 erhielt er die Ehrendoktorwürde der TH Darmstadt und 1952 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.
Der Nachlass Adolf Abels gelangte Anfang der 1970er-Jahre an die Sammlung des Architekturmuseums. Der Bestand umfasst 2.591 Zeichnungen, 378 Fotografien, 447 Archivalien und drei Modelle. Neben zahlreichen wegweisenden Bauten machen insbesondere Abels umfangreiche Studien zu Fragen der Architektur und der Stadtentwicklung sein Werk bedeutsam.