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Originaltitel:
Umsetzung der Biodiversitätskonvention in urbanen Expansionsräumen am Beispiel der Stadt Porto Alegre (Brasilien) 
Übersetzter Titel:
Implementing the Convention on Biological Diversity in expanding urban areas on the example of Porto Alegre city (Brazil) 
Jahr:
2006 
Dokumenttyp:
Dissertation 
Institution:
Fakultät Wissenschaftszentrum Weihenstephan 
Betreuer:
Pfadenhauer, Jörg (Univ.-Prof. Dr. rer. nat.) 
Gutachter:
Trepl, Ludwig (Univ.-Prof. Dr. rer. nat.); Jessel, Beate (Univ.-Prof. Dr. agr.) 
Format:
Text 
Sprache:
de 
Fachgebiet:
BIO Biowissenschaften 
Stichworte:
Biodiversitätskonvention; Städte; Ökosystemarer Ansatz; Naturschutz; Landschaftsplanung; Urbanisierung; Bewertungsverfahren; Subtropen; Szenarien; Sozioökonomie; Brasilien 
Übersetzte Stichworte:
Convention on Biological Diversity; CBD; ecosystem approach; urbanisation; cities; nature conservation; landscape planning; evaluation methods; subtropics; scenarios; socio-economics; Brazil 
Kurzfassung:
Nach dem derzeitigen weltweiten Trend der Urbanisierung werden in Zukunft Städte die dominierenden Lebensräume des Menschen darstellen. Auf dem Umweltgipfel in Johannisburg 2002 wurde die Implementierung der Konvention über die biologische Vielfalt in urbanen Räumen als eine neue Zukunftsaufgabe formuliert. Die Behandlung von Maßnahmen zu deren Umsetzung ist für die 9. Vertragsstaatenkonferenz im Jahr 2008 vereinbart.
In dieser Arbeit werden am Beispiel der südbrasilianischen Stadt Porto Alegre die Umsetzungsmöglichkeiten der Biodiversitätskonvention in expandierenden Stadtrandlagen behandelt. Porto Alegre weist ein typisch für viele Städte in Lateinamerika weitgehend unkontrolliertes Wachstum der Stadtränder auf, welches zu einem steigenden Verlust und zunehmender Fragmentierung von Naturflächen führt.
Die unmittelbare Umgebung der Hügellandschaft der Metropole Porto Alegre weist ein naturnahes Wald-Graslandmosaik auf. Die Wälder sind teilweise dem Biosphärenreservat des brasilianischen Küstenregenwaldes `Mata Atlântica´ zugeordnet, einem der weltweit am stärksten bedrohten „Hot spots“ der Biodiversität. Die Grasländer weisen eine immense Artenvielfalt auf. Zusammen beheimatet das Mosaik mit ca. 1100 Arten ungefähr ein Viertel der im Bundesstaat `Rio Grande do Sul´ bekannten Pflanzenarten.
Für eine langfristige Erhaltung dieser Naturflächen bedarf es eines angepassten Managements und strikten Schutzes. Eine Weiterentwicklung von Methoden zur Datenerfassung ermöglichte die Erfassung notwendiger Daten, um eine naturschutzfachliche Planung im Rahmen eines Ökosystemaren Ansatzes für Städte zu realisieren (Kap. I). Als wesentliche planerische Grundlage wurde die aktuelle Vegetation und Landnutzung sowie der Fragmentierungszustand der Gemeinschaften in einem 141 km2 großen Untersuchungsgebiet kartiert. Durch den Vergleich von Zeitreihen verschiedener Luft- und Satellitenbilder wurde der Landnutzungswandel und die Stadtexpansion zwischen 1966 bis 2003 erfasst. Demnach expandieren die Randlagen von Porto Alegre zunächst entlang der Hauptausfallstraßen. Sie isolieren und fragmentieren zunehmend die verbliebenen Freiflächen der Hügel. Des Weiteren verdichten sich die Siedlungen und verkleinern so kontinuierlich die verbliebenen inselartigen Naturflächen. Marginalviertel (`Favelas´) dehnen sich in die naturnahen Grasländer der Nordhänge und entlang von Fließgewässern aus. Landwirtschaftliche Brachen werden von illegal errichteten Wohnsiedlungen (`loteamentos irregulares´) unterschiedlicher Struktur genutzt. Daneben werden luxuriöse Wohnanlagen (`condomínios fechados´) an den Hängen und auf den Kuppenlagen der seenahen Hügel errichtet und zerteilen zentrale Bereiche wertvoller Naturflächen.
Naturschutzfachliche Bewertungskriterien des europäischen Raumes wurden auf ihre Anwendbarkeit in den humiden Tropen und Subtropen überprüft. Hierbei wurden generelle Probleme in der Praxis der naturschutzfachlichen Bewertung analysiert und mögliche Lösungen diskutiert. Zur nachvollziehbaren Gliederung des Verfahrens wurden Bewertungsebenen eingeführt (Kap. II). Speziell für die Anwendung in den humiden Tropen und Subtropen wurden Kriterienlisten und ihre notwendigen Datengrundlagen erarbeitet.
Zur Auswahl schutzbedürftiger und schutzgeeigneter Flächen wurde die aktuelle Vegetation und Landnutzung naturschutzfachlich bewertet (Kap. III). Die Naturflächen weisen vielerorts Eingriffe und Degradierungen auf. Die Wälder sind durch Holzentnahme und Rodung in ein kleinräumiges Mosaik verschiedener Sukzessionsstadien unterteilt. Die Grasländer der Hanglagen weisen teilweise starke Erosionen auf. Dennoch konnten große Flächen als naturnah bewertet werden. Neben Vorschlägen zur Ausweisung potenzieller Schutzflächen wurden auch aus naturschutzfachlicher Sicht geeignete Gebiete für zukünftige Siedlungsflächen dargestellt.
Innerhalb von Szenarien wurden mögliche Siedlungsentwicklungen unter Veränderung der sozioökonomischen Rahmenbedingungen in der Peripherie von Porto Alegre entwickelt und die Auswirkungen auf die Konfliktsituation zwischen Schutz der Flächen und Stadtentwicklung analysiert (Kap. IV). In die Szenarienentwicklung flossen sowohl demographische als auch räumliche Analyseergebnisse mit ein. In den Szenarien wurde der Faktor „stadtinterne Migration“ als ein Schlüsselfaktor der Stadtentwicklung der Randlagen herausgearbeitet und erstmals für ein Teilgebiet von Porto Alegre flächenbilanziert. Die bisherige Entwicklung zeigt eine massive Bewegung der Bevölkerung innerhalb Porto Alegres. Treibende Kraft ist eine soziale Verdrängung armer Bevölkerungsschichten in die Peripherie, aufgrund des Mangels an billigem Wohnraum innerhalb der Kernstadt. Eine Verbesserung der sozioökonomischen Situation hat entlastende Wirkung auf die naturschutzfachliche Konfliktsituation, indem illegale Siedlungstätigkeiten abnehmen. Unter den derzeitigen Vorgaben der Stadtentwicklungsplanung ist jedoch eine Isolierung der Biotopkomplexe der Hügel vorprogrammiert, da keine Verbundplanung der Freiflächen existiert.
Im Syntheseteil wurden abschließend die Beiträge dieser Arbeit für die Umsetzung der Konvention über die biologische Vielfalt nach den Malawi-Grundsätzen zusammengefasst sowie Ökosysteme als Managementeinheiten definiert und Managementempfehlungen gegeben.
Die Ergebnisse dieser Arbeit verstehen sich als Diskussionsgrundlage und Entscheidungshilfe für zukünftige Planungsentscheidungen zur Entwicklung der Stadtrandlagen in Porto Alegre. 
Übersetzte Kurzfassung:
If the actual trend of worldwide urbanisation continuous, cities will be the dominant habitat form of humans. On the world summit in Johannisburg 2002, the implementation of the Convention on Biological Diversity (CBD) in urban areas was introduced as an important goal for future development. Detailed implementation measures are to be negotiated at the 9th conference of parties (COP) in 2008.
This thesis is to demonstrate possibilities for the implementation of the CBD in urban expansion areas, using the example of Porto Alrege city (South Brazil). The rapid and mostly unregulated development at the outskirts of Porto Alegre is typical for many Latin American cities and leads to increasing loss and fragmentation of the last natural areas in the suburban parts.
In the closer surroundings of Porto Alegre, in the hilly landscape around the core city, a mosaic-like pattern of forests and treeless grasslands dominates. The forest type found here is part of the biosphere reserve of the Atlantic coastal rain forest, one of the most endangered biodiversity-hot-spot regions. The grasslands contain an enormous species richness. The mosaic contains approximately 1100 plant species, nearly a quarter of all known species of the federal state Rio Grande do Sul.
The long-term protection of these communities depends on proper management and strict conservation. The development of data processing methods allows to record necessary data to conduct an environmental planning proposal considering the ecosystem approach in urban areas (Chapter I). A current vegetation and land use map and the quantified fragmentation status of the natural communities were mapped for a 141 km2 large study area. Multi-temporal remote-sensing data were analysed considering changes in land cover and processes of suburban sprawl during this period. The suburban parts of Porto Alegre mainly expanded along the main roads and caused an increasing isolation and fragmentation of remnant areas of natural vegetation. The densification of settlement continuously reduced the isolated natural areas. Squatter settlements (favelas) expanded into natural grasslands on the northern slopes of the hills and along rivers and creeks. Agriculture fallows were used for unauthorized land divisions and construction of illegal settlements of different structure (loteamentes irregulares). In addition, luxury settlement areas (condomínios fechados) were constructed at the slopes and tops of the hill, fragmenting central areas of important natural areas. Criteria for conservation evaluation have been developed almost exclusively in the cultural landscape of temperate climate zones. For this reason, the applicability of these criteria for humid subtropical and tropical landscape was examined (Chapter II). Further, the general problems of the conservation evaluation practices were analyzed and possible alternative procedures were discussed. In order to give a more transparent organisation of the evaluation method, `evaluation layers´ were introduced. A set of criteria together with information on necessary efforts for data collection, is given, and possibilities for application of this evaluation system in the humid subtropics and tropics are demonstrated.
For setting of conservation priorities within existing ecosystems, current vegetation and land use were evaluated from the conservationists point of view. The natural areas very often are degraded and influenced by human impacts. The native forests are influenced by collecting fuel wood and clearing. The grasslands are often degraded by erosion. Nevertheless, large areas can still be considered natural. In addition to proposals for location of potential nature reserves, areas were identified that are suitable for future construction of settlements, even under the overall aim of nature conservation for Porto Alegre (Chapter III).
Presenting scenarios of the urban developments in the periphery of Porto Alegre that can be expected under possible changes of the socio-economic circumstances, the respective impacts on the remaining conflict situation between conservation and city development were analysed (Chapter IV). Data from demographic models and spatial analysis of land use changes were integrated into the scenarios. A central cause of urban expansion is the intra-urban migration from the inner city to the periphery; an overall balance could be calculated for the first time. Up to now, high land prizes and rental fees in urbanized areas near to the centre and lack of effective housing policy progressively force low-income population to move to the periphery. The scenarios showed that an improvement of the socio economic situation can relieve the conflict situation between conservation and urban sprawl, causing a decrease of illegal settlements. But under the actual planning situation, the spatial distribution of urban growth and expansion of settlements lead to degradation of the most valuable parts of the natural vegetation as well as isolation of biotope complexes.
In the synthesis of the thesis, the results were summarized for their possibilities to implement the convention on biological diversity after the Malawi principles. Ecosystems as management units and management aims were presented. The results of this thesis should be seen as basis for discussion and as a tool for future planning decisions concerning the development of the suburban parts of Porto Alegre. 
Veröffentlichung:
Universitätsbibliothek der Technischen Universität München 
Mündliche Prüfung:
12.10.2006 
Dateigröße:
23691285 bytes 
Seiten:
302 
Letzte Änderung:
15.02.2010